Ein zuverlässiger Rückruf beginnt nicht beim «HIER».
Zu Hause oder ohne grosse Ablenkung funktioniert der Rückruf eigentlich ganz gut. Doch kaum wird die Umwelt spannender, sieht die Sache plötzlich anders aus.
Ein anderer Hund taucht auf, irgendwo bewegt sich etwas im Gebüsch oder eine spannende Spur führt in die andere Richtung und dein Rückruf scheint auf einmal kaum noch Bedeutung zu haben.
Vielleicht kommt dein Hund erst beim zweiten oder dritten Rufen. Vielleicht dreht er kurz den Kopf zu dir und entscheidet sich dann doch für etwas anderes. Oder du lässt ihn inzwischen lieber gar nicht mehr von der Leine, weil du nicht sicher bist, ob er im entscheidenden Moment wirklich zurückkommt.
Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Warum funktioniert der Rückruf bei meinem Hund nicht zuverlässig?
Wenn ein Hund nicht zurückkommt, lautet die naheliegende Erklärung schnell: Er hört einfach nicht. Doch so einfach ist es meistens nicht.
Bevor wir am eigentlichen Rückruf arbeiten, müssen wir herausfinden, warum dein Hund in einer bestimmten Situation nicht reagiert.
Hinweise darauf, dass euer Rückruf noch nicht zuverlässig funktioniert, können beispielsweise sein:
-
Dein Hund kommt nur, solange wenig Ablenkung vorhanden ist.
-
Bei anderen Hunden, Wild oder spannenden Gerüchen ist er kaum noch ansprechbar.
-
Du musst dein Rückrufsignal mehrfach geben.
-
Dein Hund reagiert zwar auf deinen Ruf, kommt aber nicht direkt zurück.
-
Mit Futter funktioniert der Rückruf gut, ohne entsprechende Belohnung deutlich schlechter.
-
Mit zunehmender Distanz wird dein Einfluss immer kleiner.
- In aufregenden Situationen hast du das Gefühl, dein Hund hört dich überhaupt nicht mehr.
-
Du verzichtest auf Freilauf, weil du dich auf den Rückruf nicht verlassen kannst.
Ein einzelner dieser Punkte sagt noch nicht, warum der Rückruf nicht funktioniert. Entscheidend ist immer die Ursache.
«Er weiss genau, was ich von ihm will» ist nicht immer die ganze Wahrheit
Ein Hund, der nicht zurückkommt, entscheidet sich nicht automatisch bewusst gegen seinen Menschen.
Vielleicht ist die Reizlage gerade so hoch, dass er tatsächlich kaum noch ansprechbar ist. Vielleicht wurde das Signal unter dieser Ablenkung noch nie ausreichend aufgebaut. Vielleicht fühlt er sich in der Situation unsicher oder ist mit seiner Umwelt so beschäftigt, dass er sich nicht auf dich einlassen kann.
Es kann aber genauso sein, dass dein Hund sehr wohl verstanden hat, was du möchtest und sich trotzdem für etwas anderes entscheidet.
KANN ER NICHT ODER WILL ER NICHT?
Denn die Antwort darauf entscheidet darüber, wo Training überhaupt ansetzen muss.
Ein Rückruf ist mehr als ein gut aufgebautes Signal
Natürlich muss ein Rückruf sauber gelernt werden. Aber selbst ein technisch gut aufgebautes Signal existiert nicht losgelöst vom restlichen Alltag. Ist dein Hund in deiner unmittelbaren Nähe bereits kaum ansprechbar, wird das auf grössere Distanz nicht plötzlich besser funktionieren. Und irgendwann wird es einen Aussenreiz geben, der spannender ist als das Futter in deiner Tasche oder das Spiel mit dir. Ein zuverlässiger Rückruf braucht deshalb mehr als möglichst hochwertige Belohnungen oder das perfekte Rückrufwort.
Er braucht eine gute Basis.
ANSPRECHBARKEIT, MOTIVATION UND AKZEPTANZ
Ansprechbarkeit
Motivation
Akzeptanz
Das Ziel ist nicht weniger Freiheit.
Das Ziel ist, mehr Freiheit sicher möglich zu machen.
Ein zuverlässiger Rückruf bedeutet nicht, dass dein Hund draussen permanent auf dich achten oder seine Umwelt uninteressant finden soll.
Ein Hund darf schnüffeln, entdecken, rennen, mit anderen Hunden interagieren und seine Umwelt erkunden.
Das Ziel ist nicht weniger Freiheit.
Das Ziel ist, mehr Freiheit sicher möglich zu machen.
Dein Hund soll lernen, auch unter Ablenkung auf dich zu reagieren und einen von dir gesetzten Rahmen anzunehmen.
Und du sollst einschätzen können, wann dein Hund einen Rückruf leisten kann, wann eine Situation noch zu schwierig ist und an welchem Punkt euer Training ansetzen muss.
RECALL WORKSHOP
Genau aus diesem Gedanken ist ReCALL entstanden.
In diesem Workshop geht es nicht einfach darum, deinem Hund ein Rückrufsignal beizubringen oder mit einer besonders attraktiven Belohnung dafür zu sorgen, dass er möglichst schnell zu dir rennt.
Warum funktioniert euer Rückruf in manchen Situationen und in anderen nicht und was braucht es, damit er auch unter zunehmender Ablenkung verlässlich wird?
Dafür betrachten wir nicht nur das eigentliche Rückrufsignal, sondern auch Ansprechbarkeit, Motivation, Akzeptanz und euren gemeinsamen Alltag.
Dieser Workshop richtet sich an Hunde, die:
- unter wenig Ablenkung bereits zurückkommen, bei stärkeren Reizen aber Schwierigkeiten haben
- bei anderen Hunden, Wild oder spannenden Gerüchen kaum noch ansprechbar sind
- auf Distanz schlechter reagieren als im Nahbereich
- nur dann zuverlässig kommen, wenn die Belohnung attraktiv genug ist
- deren Menschen den Rückruf von Anfang an fundiert und alltagstauglich aufbauen möchten

